Irland
Die grüne Insel
„Der Stechginster blühte, die Fuchsienhecken hatten schon Knospen; wilde grüne Hügel, Torfhaufen; ja, grün ist Irland, sehr grün, aber sein Grün ist nicht nur das Grün der Wiesen, auch das Grün des Mooses, gewiß hier, hinter Roscommon, auf Mayo zu, und Moos ist die Pflanze der Resignation, der Verlassenheit.“
Heinrich Böll schrieb dies in seinem “Irischen Tagebuch” nach dem ersten Besuch der Insel. Eine Lektüre, welche ich jedem Irlandreisenden nur empfehlen kann. Vieles darin beschriebene, kann man auch heute noch finden. Auch wenn der keltische Tiger inzwischen ein modernes Land geworden ist; mit allen Ansprüchen und Ängsten welche der Mensch an die heutige Zeit stellt und somit auch erntet.
Irland, das Land der Katholiken. Neben Spanien und Österreich über viele Jahrhunderte und bis in unsere Tage, eine letzten echten Bastionen dieser Glaubensgemeinschaft. Auch wenn diese Zeiten vergangen scheinen, so kann man doch in jeder Stadt und jedem Dorf die machtvolle Präsenz der Kirche noch wenigstens erahnen. Neben dem Bürgermeister ist noch immer der Pfarrer die wichtigste Person im Ort. Oder ist es doch umgekehrt? Auf jedem Fall gilt nichts als eröffnet oder für den Alltag tauglich, dass nicht wenigstens den Segen der Kirche erhalten hat.
Irland besitzt viele Gesichter. Einerseits die lebendigen und progressiven Städte wie Dublin, Cork, Belfast und andererseits das traditionelle und beschauliche Leben am Land. Vielleicht ist es genau dieser Gensatz, der uns Besuchern so gut gefällt. Eintauchen in das charmante Leben zwischen den hier oft übersehenen angeblich so wichtigen Headlines der Weltpolitik und -geschichte.
Trotzdem: Irland ist modern. Es erfuhr durch unheimliche Summen aus den EU-Fördertöpfen einen ebensolchen Aufschwung. Man investierte in die Infrastruktur des gesamten Landes, was die europäischen Millionen hergaben. Kaum ein Dorf ohne großzügige Umfahrung und Gewerbegbiete in der Peripherie. Zwei Jahrzehnte mit neuem Selbstbewusstsein brachten auch Geld und somit Wohlstand in Europas Armenhaus. Es wurde mehr Geld verdient und ausgegeben. Mit dem Resultat, dass das Land ein Wirtschaftswachstum erfuhr, welches in Europa seines Gleichen suchte. Es schien alles möglich zu sein. Gebaut wurde an allen Ecken und Enden. Für jeden schien der Traum vom Eigenheim in greifbarer Nähe.
Der Rest ist bereits wieder Geschichte. Die Wirtschaftskrise; weniger Arbeit; Schulden und Immobilien, welche nicht mehr leistbar sind, etc. Viele eingewanderte Europäer, haben es jetzt schwer, mit diesen neuen Vorzeichen zurecht zu kommen. Man wird sehen, was die nächsten Jahre bringen werden.






